The Endurance

1914 – 1917

Nachdem er bei der Entdeckung des Südpols sowohl von Roald Amundsen als auch Kapitän Scott geschlagen worden war, setzte Ernest Shackleton sich das Ziel, als erster den antarktischen Kontinent zu überqueren. Seine Reise sollte die letzte große Unternehmung des goldenen Zeitalters der Antarktis-Erforschung werden.

               
"Genug Leben und Geld wurden bereits vergeben für dieses sterile Unterfangen. Der Pol ist entdeckt. Wozu eine weitere Expedition?"
               

Winston Churchill

               

Shackleton und seine siebenundzwanzigköpfige Besatzung stachen im August 1914, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs, in See. Die Endurance wählte den Weg durch das wenig erforschte Weddellmeer, das sonst vor allem von Walfängern befahren wurde. Der letzte Halt vor der Antarktis war eine kleine Walfangstation auf Südgeorgien. Shackleton und seine Männer warteten hier darauf, dass sich die Eislage auf dem Weddellmeer verbessern würde. Am 5. Dezember 1914 verließ die Endurance Südgeorgien und nahm Kurs auf die Antarktis.

Nach drei Tagen stießen die Männer auf Packeis, durch das sie das Schiff vorsichtig steuern mussten. Nach sechs Wochen, in denen sie eine lange Strecke durchs Eis zurückgelegt hatten, waren sie etwa 160 Kilometer von der Antarktis entfernt. Die Bedingungen wurden immer schlechter und das Schiff hatte immer größere Schwierigkeiten, durchs Eis zu kommen. Eines Morgens wachte die Besatzung auf, und musste feststellen, dass sie von Eis umschlossen waren und festsaßen. Sie hatten keine andere Wahl, als darauf zu warten, dass das Eis schmelzen würde. Am 14. Februar 1915 konnten die Männer offene Gewässer sehen. Sie versuchten, das Eis rund um das Schiff per Hand aufzubrechen, um sie zu erreichen. 48 Stunden lang arbeiteten sie daran, das Eis aufzubrechen und das Schiff zu befreien. Aber das Eis war zu dick und es gab keinen Ausweg.Ihnen blieb keine Wahl, als auf den nächsten Frühling, sieben Monate in der Zukunft, zu warten. Dann würde das Eis so weit geschmolzen sein, dass sie das Schiff befreien könnten. Niemand in der Welt kannte ihren Aufenthaltsort, während sie nur eine Tagesreise entfernt vom antarktischen Kontinent lagen.

Die Crew bei der Arbeit das Schiff vom Eis zu befreien

Die Crew bei der Arbeit das Schiff vom Eis zu befreien

Die Endurance im Packeis eingeschlossen

Die Endurance im Packeis eingeschlossen

Auf dem Eis gefangen

Im Mai begann der antarktische Winter, die Sonne verschwand und die Besatzung der Endurance verbrachte 24 Stunden am Tag in Dunkelheit. Während der nächsten Monate wurde das Eis noch dicker und drückte gefährlich nah am Schiff riesige Eisberge durch die Eisfläche, die das Schiff umgab. Shackleton vertraute dem Schiffskapitän Frank Wild an, dass er nicht glaubte, dass die Endurance den steigenden Druck durch das Eis überstehen würde. Nachdem die Männer am 27. Oktober 1915 für zehn Monate auf dem Eis gefangen gewesen waren, gab Shackleton den Befehl, das Schiff zu verlassen. Das Schiffsholz war bereits beschädigt und einen Tag nachdem die Crew das Schiff evakuiert hatte, brach Eis durch das Heck und das Wasser flutete den Frachtraum.

Die Männer bepackten Schlitten mit so vielen Vorräten wie möglich und nahmen drei der vier Rettungsboote des Schiffs mit. Sie hatten nicht genügend Fell-Schlafsäcke, also organisierte Shackleton eine Verlosung, um zu entscheiden, welche der Männer einen davon bekommen würden. Die Lotterie war so manipuliert, dass Shackleton und einige der hochrangigen Offiziere Woll-Schlafsäcke bekamen, damit die wärmeren Fellschlafsäcke für die Männer unter ihrem Kommando verblieben.

Shackleton hatte schon lange das Ziel aufgegeben, die Antarktis zu durchqueren, und erklärte es zu seinem neuen Ziel, die Männer sicher nach Hause zu bringen. Sie begannen den 480-Kilometer-Marsch zum nächstgelegenen Land. Nachdem sie drei Tage lang gewandert waren, konnten sie das verlassene Schiff immer noch sehen. Ihnen wurde die Sinnlosigkeit des Unterfangens bewusst und sie sahen sich gezwungen, ein Lager aufzuschlagen und zu warten. Die Endurance wurde langsam vom Eis verschluckt und die Männer retteten, was sie konnten. Am 21. November verschwand das Schiff komplett unter dem Eis.

               
"Um 17 Uhr ist sie untergegangen. Ich kann nicht darüber schreiben."
               

Ernest Shackleton

               

Nun waren die Männer auf Packeis gestrandet und hofften, dass sie in Richtung Land driften und nicht aufs Meer heraus getragen würden. Shackleton entschied, dass sie einen zweiten Versuch in Richtung Land unternehmen sollten. Die Gruppe zog die schweren Rettungsboote durch Eis und Schnee hinter sich her. Nach einer Woche befahl Shackleton, ein Lager aufzuschlagen: der Marsch war ein Fehler gewesen, und sie hatten wertvolle Ausrüstung zurückgelassen; das Essen ging ihnen aus und die Jagd wurde schwerer. Man gab den Befehl, einige der Hundeteams zu erschießen, weil es keine Nahrung mehr für die Tiere gab und einige Wochen später wurden auch die letzten verbleibenden Hunde erschossen und verspeist.

Oben: Die Endurance versinkt endgültig im November 1915

Auf dem Meer gefangen

Als das Eis aufzubrechen begann, bestiegen die Männer die Rettungsboote und versuchten, eine Insel zum Landen zu finden. Am nächsten gelegen waren Clarence Island und Elephant Island in etwa 160 Kilometern Entfernung. Auf einer Insel westlich von diesen beiden, Deception Island, lagerten allerdings Vorräte für den Fall eines Schiffsunglücks. Shackleton beschloss, Deception Island anzusteuern.

Nach Tagen und Nächten in den Rettungsbooten, gerieten die Männer ins Straucheln. Shackleton veränderte den Kurs, um so früh wie möglich Land zu erreichen und sie steuerten Elephant Island an. Sie erreichten die Insel ein Jahr und vier Monate nachdem sie zuletzt festes Land unter den Füßen gehabt hatten.

Die Männer hatten Land erreicht, aber Elephant Island lag auf keiner Schiffsroute und niemand würde hier nach ihnen suchen. Shackleton entschied, dass ihre beste Chance darin bestünde, die Insel zu erreichen, von der aus sie gestartet waren: Südgeorgien. Das bedeutete eine Reise über mehr als 1200 Kilometer durch eins der gefährlichsten Meere der Welt. Eins von den Rettungsbooten wurde für die Reise vorbereitet und Shackleton wählte die stärksten der Männer aus, um ihn bei der Überquerung des Weddelmeers zu begleiten.

Die sechsköpfige Besatzung brach in der James Caird auf, als am 24. April 1916 das Wetter endlich aufklarte. Sie durchquerten stürmische Gewässer ohne ihre Position sichern zu können, bis sie am 8. März die Männer ein Stück Seetang im Wasser fanden und als Zeichen erkannten, dass Land in der Nähe sein musste. Am 10. März, nach 17 anstrengenden Tagen auf See, landeten sie endlich auf Südgeorgien - allerdings auf der Walfangstation der gegenüberliegenden Seite der Insel. Weder die Männer noch das Boot waren in der Verfassung für eine weitere Seereise und sie mussten die Insel zu Fuß überqueren.

Oben: Elephant Island

Der letzte Fußmarsch

Nur Shackleton und zwei der Männer waren in der Lage, die Wanderung zu unternehmen. Sie bauten sich Schneeschuhe, indem sie Schrauben aus dem Boot an ihren Stiefeln befestigten. Sie waren zu schwach, um irgendetwas außer dem Notwendigsten zu tragen. Also bereiteten die Männer sich auf einen ununterbrochenen Marsch quer über die unbekannte Insel vor. Sie stiegen einen Berg nach dem nächsten hinauf und herunter, durch tiefen Schnee und über Eis. Als sie für einen kurzen Moment Pause machten, waren Shackletons Begleiter innerhalb von wenigen Minuten eingeschlafen. Er wusste aber: Wenn sie lange pausieren würden, bestand die Gefahr der Unterkühlung. Nach fünf Minuten weckte Shackleton die beiden und erzählte ihnen, sie hätten für eine halbe Stunde geschlafen.

Nach 36 Stunden pausenlosen Wanderns erreichten sie die Stromness Walfangstation. Die Männer auf der anderen Seite von Südgeorgien waren gerettet und nach nur drei weiteren Tagen brachen sie auf, um die übrige Besatzung auf Elephant Island zu retten. Aber das Meer rund um Elephant Island war voll von dickem Eis. Als sie nur noch knapp 100 Kilometer vom Ziel entfernt waren, mussten sie umkehren. Shackelton verbrachte vier Monate damit, zu versuchen seine gestrandeten Männer zu erreichen.

Weil die Rettung mittlerweile zehn Wochen überfällig war, wurden die Männer auf Elephant Island immer verzweifelter. Sie hatten den Winter überlebt, indem sie in den umgedrehten Rettungsbooten gelebt hatten und hatten fast keine Nahrung mehr. Jeden Morgen weckte Kapitän Frank Wild, dem Scott das Kommando überlassen hatte, die Männer mit dem fröhlichen Ruf: „Alles zubinden und verstauen! Der Boss könnte heute kommen!“

Die Männer gaben die Hoffnung auf Shackletons Rückkehr langsam auf. Doch Shackleton begann eine zweite Rettungsmission zu planen. Am 30. August 1916 erspähten die auf Elephant Island gestrandeten Männer endlich Shackleton's Rettungsschiff. An Bord des Schiffs beobachtete Shackleton die Männer aus der Hütte kommen und zählte ängstlich, um sicher zu gehen, dass kein Leben verloren war.

Alle Männer hatten überlebt.

Oben: South Georgia