The Terra Nova Expedition

1910 – 1913

Kapitän Robert Falcon Scotts zweite Expedition zum Südpol ist eine weltberühmte Geschichte über Erforschung und Ausdauer. Die  Terra Nova verließ England im Juni 1910 und setzte die Segel in Richtung Antarktis. Bei Ankunft in Melbourne, Australien, verließ Kapitän Scott das Schiff, um seine Pläne für die Expedition in die finale Form zu bringen. Als er dort ankam, wartete bereits ein Telegramm von Roald Amundsen auf ihn. Die ganze Welt glaubte, dieser sei zum Nordpol unterwegs, aber das Telegramm informierte Scott, dass Amundsen tatsächlich nach Süden gefahren war. Amundsen wurde zu einem direkten Konkurrenten Scotts im Rennen zum Südpol.

Scott wollte keine Tiere zum Ziehen der Schlitten benutzen, weil er seine Pläne nicht darauf stützen wollte, Tiere zu quälen. Scott wusste, dass sein Mitbewerber Amundsen sich ausschließlich auf Hunde verließ. Scott wusste auch, dass Hunde ohne Zweifel gut darin waren, schwere Lasten weiter als Männer zu ziehen. Aber seine Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass sie unzuverlässig waren und unter den schlechten Bedingungen in der Arktis zu stark litten. Shackleton hatte es mit Ponys am weitesten in den Süden geschafft und Scott glaubte, dass er mit mehr Ponys und mehr Vorräten den Südpol erreichen könnte. Dafür nahm er auch eine spätere Abreise in Kauf. Leider wurden die Tiere nicht von Kapitän Oates, der am meisten über Pferde wusste, ausgewählt. Deswegen waren die ausgewählten Ponys nicht für die  Terra Nova -Expedition geeignet.

 

Oben: Terra Nova, fotografiert im Dezember 1910 von Herbert Ponting

Das Schiff erreichte die Ross-Insel am 4. Januar und man entschied sich für Kap Evans als Basislager. Dieses lag fünfzehn Meilen vom früheren  Discovery , Hut Point, entfernt. Die Männer verbrachten ihre erste Saison in der Antarktis damit, Depot-Stationen mit Vorräten aufzubauen. Scotts Expedition sollte diese Vorräte auf dem Weg benutzen können, um überladene Schlitten zu vermeiden. Scott hatte auch motorisierte Schlitten mitgebracht, die er für die Reise zur Berggrenze verwenden wollte. Sein Rivale Amundsen verbrachte seinen Winter damit, sich über die Effektivität der neuen, motorisierten Schlitten zu sorgen. Er befürchtete, dass Scotts Team ihn damit erfolgreich im Rennen zum Pol schlagen würde. Allerdings versagten beide motorisierten Schlitten nach nur 80 Kilometern und die Männer waren gezwungen, die Vorräte von diesen Schlitten auf dem übrigen Weg selbst zu ziehen. Im Gegensatz dazu kamen die Hundeschlitten schnell und leicht voran, während die Ponys unter den Bedingungen litten.

Oben: Höhle in einem Eisberg, fotografiert während der britischen Antarktis Expedition von 1911-1913, 5. Januar 1911. Fotograf: Herbert Ponting, Alexander Turnbull Library.

Das Rennen zum Pol

Am 1. November brach Scotts Gruppe in Richtung Süden auf. Sie hatten unterstützende Teams auf der Route zum Beardmore Gletscher platziert. Dort angekommen wollte Scott die Männer auswählen, die ihn zum Pol begleiten würden. Als sie den Fuß des Gletschers erreichten, wählte Scott die vier Männer Laurence Oates, Edward Wilson, Edgar Evans und Henry Bowers aus. Sie erschossen die verbleibenden Ponys und ließen ihr Fleisch für den Rückweg zurück. Als die motorisierten Schlitten versagt hatten und die Ponys erschossen worden waren, entschied Scott, die Hundeteams zurück zum Basislager zu schicken. Die Gruppe sollte die Schlitten selbst zum Pol ziehen.

Die fünf Männer überwanden das Polarplateau. Ursprünglich hatte Scott nur mit einem Team aus vier und nicht fünf Männern geplant, sodass die Vorräte gestreckt werden mussten. Sie legten im Durchschnitt zwischen 8 und 13 Kilometer in Richtung Südpol pro Tag zurück. Die Männer begannen, an den zu knappen Rationen zu leiden. Nachdem sie Shackletons bisherige beste Distanz von 88° südlicher Breite passiert hatten, zeigten die Männer erste Symptome von Skorbut. Sie trieben sich selbst trotzdem weiter, motiviert vom Ausblick auf den Triumph, als erste den Südpol zu erreichen.

Nach Tagen der Wanderung durch eisige Bedingungen, erkannten sie ein schwarzes Objekt am Horizont. Als sie näher kamen, schwante es ihnen: das Objekt, das sie sehen konnten, war die norwegische Flagge. Sie hatten das Rennen zum Südpol verloren.

 

            
"Der Pol. Ja, aber unter welch anderen Umständen als erwartet... Großer Gott! Dies ist ein fürchterlicher Ort und schrecklich genug für uns, dafür gearbeitet zu haben ohne die Belohnung des Vorrangs."

Kapitän Robert Falcon Scott

Den Männern blieb keine andere Wahl, als ihre Niederlage zu akzeptieren und die 1200 Kilometer der Rückreise zum Basislager ohne den Optimismus der Hinreise anzutreten. Sie waren unterernährt, ausgelaugt und schlecht gelaunt. Die Schlitten zu ziehen wurde immer schwerer und jeden Tag wurden sie langsamer. Als sie den Beardmore Gletscher erreicht hatten, ordnete Scott einen halben Tag Pause an, weil er sich um den Zustand der Männer sorgte. Scott ermunterte Edward Wilson, diese Zeit zu nutzen, um geologische Proben zu sammeln. Diese Proben wurden ebenfalls auf die Schlitten gelegt, wodurch deren Gewicht, mit dem die Männer bereits zu kämpfen hatten, noch größer wurde.

Oben: Scott und sein Team in Amundsens Basis, Polheim, am Südpol. Links nach rechts: Scott, Bowers, Wilson und PO Evans. Das Bild wurde von Lawrence Oates gemacht.

Diese groben Notizen

Edgar Evans litt am meisten und fiel hinter der Gruppe zurück. Sie verfolgten ihre Schritte zurück, um nach Evans zu suchen und fanden ihn im Schnee liegen. Er starb am 17. Februar, nachdem er am Fuß des Beardmore Gletschers kollabiert war.

Während noch hunderte von Kilometern vor ihnen lagen, ging es Oates immer schlechter. Die vier verbleibenden Männer hatten wenig Nahrung und Antrieb und es fiel ihnen schwer, den nächsten Versorgungspunkt zu erreichen. Alle litten unter Erfrierungen, aber Oates Fuß war komplett eingefroren. Oates schnitt sogar ein Loch in seinen Schlafsack und ließ den Fuß jede Nacht der Kälte ausgesetzt, weil die Schmerzen zu groß waren, wenn der gefrorene Fuß wieder antaute. Er hatte alle Hoffnung verloren, zu überleben, und drängte die übrigen Männer, ihn zurück zu lassen. Die anderen zwangen ihn trotzdem, weiter zu machen, und wollten ihn nicht dem sicheren Tod überlassen.

Ursprünglich hatte es die Hoffnung gegeben, Hilfsteams mit Hundeschlitten zu treffen, aber während es weiterging, verlor Scott diese Hoffnung. Oates ging es noch schlechter, jetzt waren beide Füße und beide Hände schlimm erfroren. Er wusste, dass die Männer ohne ihn bessere Chancen und mehr Nahrungsrationen haben würden. Am 17. März verließ Lawrence Oates freiwillig das Zelt und wanderte in die Nacht. Scott hielt Oates' letzte Worte in seinem Tagebuch fest.

              
"Ich gehe nur eben raus, und könnte etwas länger brauchen"

Lawrence Oates, letzte Worte

Die drei verbleibenden Männer, Scott, Bowers und Wilson kämpften sich für einige weitere Meilen durch, bevor ein Schneesturm sie traf und in ihre Zelte zwang. Die Männer schrieben Abschiedsbriefe an ihre Geliebten, weil sie keine Nahrung und keinen Treibstoff für Wärme mehr hatten. Scott schrieb als er erkannte, dass er es nicht nach Hause schaffen würde, eine abschließende Geschichte ihrer Expedition in sein Tagebuch:

               
"Wir setzen ein gutes Beispiel für unsere Landsmänner... wir hätten zurückkommen können, wenn wir die Kranken verlassen hätten."

Kapitän Robert Falcon Scott

Der letzte Eintrag in Scotts Tagebuch ist auf den 29. März 1912 datiert.

               
"Ich glaube nicht, dass wir jetzt noch auf irgendwelche besseren Dinge hoffen können. Wir werden es bis zum Ende durchhalten, aber wir werden schwächer, natürlich, und das Ende kann nicht weit sein. Es scheint eine Schande, aber ich glaube nicht, dass ich mehr schreiben kann."

Kapitän Robert Falcon Scott

Die drei Männer starben in ihrem Zelt. Sie wurden bis November nicht gefunden, acht Monate, nachdem Scott seinen letzten Tagebucheintrag geschrieben hatte. Ihr Zelt war nur 18 Kilometer vom nächsten Versorgungslager entfernt aufgeschlagen. Hätten sie es erreicht, wäre ihre Geschichte vielleicht anders ausgegangen.

              
"Hätten wir überlebt, hätte ich eine Geschichte erzählt von Anstrengungen, Ausharren und dem Mut meiner Begleiter, die das Herz jedes Engländers berührt hätte. Diese groben Notizen und unsere toten Körper müssen die Geschichte erzählen."

Kapitän Robert Falcon Scott’s Nachricht an die Öffentlichkeit

Oben: Grab der Südpolarexpedition