The Fram Expedition

1910 - 1912

Roald Amundsen hatte sich 1905 als erste Person, die die Nordwest-Passage durchsegelte, einen Namen gemacht. Aber sein Verlangen nach Abenteuern zog ihn weiter an den Nordpol. 1907 lieh er sich ein Schiff, die Fram, von einem anderen Arktis-Forscher, Fridtjof Nansen. Amundsen plante seine Expedition zum Nordpol bis ins kleinste Detail. Er war dabei, seine Vorbereitungen abzuschließen, als 1909 die Neuigkeit bekannt wurde, dass Robert Peary bereits den Nordpol erreicht hatte.

Nicht zufrieden damit, nur Zweiter zu sein, änderte Amundsen sein Ziel. Er beschloss im Geheimen, der Erste am Südpol zu sein und erzählte nur seinen drei engsten Verbündeten von diesem Plan. Es war allgemein bekannt, dass Kapitän Robert Scott dabei war, seinen zweiten Versuch den Südpol zu erreichen, plante. Amundsen behielt sein Geheimnis sogar gegenüber Nansen, von dem er die Fram, geliehen hatte. Er befürchtete, dieser würde sich weigern, ihm sein Schiff zu leihen, weil er selbst eine Expedition in den Süden plante.

Roald Amundsen stach am 10. August 1910 in See, wobei nur vier der Crew-Mitglieder wussten, wohin die Reise wirklich ging. Als sie Madeira erreicht hatten, eröffnete Amundsen seiner Crew die Neuigkeiten: Es ging nach Süden. Er schickte auch ein Telegramm an Robert Scott mit dem Inhalt: “Erbete Erlaubnis Sie zu informieren, Fram macht sich Richtung Antarktis auf. Amundsen”

Roald Amundsen

Roald Amundsen

Fram mit vollen Segeln

Fram mit vollen Segeln

Amundsen und seine Besatzung kamen im Januar 1911 am Ross-Schelfeis an. Sie waren 1.268 Kilometer vom Südpol entfernt. Amundsen wusste, dass es ein Rennen zwischen ihm und Scott geben würde, und plante eine bislang unbekannte Route zu versuchen. Diese war kürzer als diejenige, die Scott nehmen wollte. Er hatte sich für Hunde als Zugtiere entschieden, während Scott Ponys verwenden würde. Amundsen wusste, dass die Hunde – anders als Ponys – in der Lage sein würden, die steilen Berghänge aufzusteigen, die sich über die Kante des Ross-Eisschelfs erstreckten. Amundsen plante die Hunde außerdem als Nahrung ein.

Die Crew der Fram verbrachte, genau wie Scott's Gruppe, den Winter damit, Nahrung und Vorräte entlang der Route zum Pol zu verteilen. Amundsen lagerte allerdings zehn Mal mehr Nahrung an diesen Stellen als Scott.

Sverre Hassel bei Framheim

Sverre Hassel im Öl-Lager bei Framheim während Roald Amundsens Südpol Expedition 1910-12

Das Rennen zum Pol

“Der Atem der Männer und Hunde gefriert, sobald er die Luft trifft”

Roald Amundsen

Die Expedition zum Südpol begann am 7. September 1911, aber selbst Roald Amundsens genaue Planungen konnten kein schlechtes Wetter verhindern: Sie hatten bereits 24 Kilometer zurückgelegt, als schlechtes Wetter sie zwang, zum Lager zurückzukehren.

“Die Hunde waren großartig. Wanden sich auf ihrem Weg durch die Berge, über ein Labyrinth aus Schluchten. Die Abgründe waren manchmal beängstigend.”

Roald Amundsen

Nach diesem Rückschlag wartete Amundsen einen weiteren Monat auf besseres Wetter, bevor er einen zweiten Versuch unternahm. Dieses Mal nahm er eine kleinere Gruppe von Männern, insgesamt nur vier, mit jeweils einem von Hunden gezogenen Schlitten mit.

Die Gruppe kam mit den Hunden gut voran und erreichte in nur vier Tagen eine Höhe von 3.350 Metern auf dem vereisten Berg. Am 20. November schlugen sie - ungefähr sechs Tage vor dem geplanten Termin - ihr Lager auf. Amundsen nannte das Lager Butcher’s Shop, Metzgerei, weil die Männer hier die schwächsten der Hunde erschießen wollten. Vierundzwanzig Hunde wurden getötet und das Fleisch wurde zwischen den Männern und den verbleibenden Hunden verteilt. Das war für die Entdecker, denen die Hunde lieb geworden waren, nicht einfach. Aber sie wussten auch, dass es notwendig war. Sie behielten 18 Hunde – sieben waren auf der Reise gestorben – und hatten nun Vorräte für ihre weitere Reise.

Während sie sich auf die letzte Wegstrecke zum Pol vorbereiteten, kam ein Sturm auf und zwang die Männer, für weitere vier Tage im Lager zu bleiben. Sie entschieden am fünften Tag trotz des Wetters aufzubrechen, weil sie befürchteten, zu viel Zeit zu verlieren und dass Scotts Expedition sie überholen könnte.

 

Am 8. Dezember erreichten sie den südlichsten Punkt, den Shackletons Expedition erreicht hatte, 158 Kilometer vom Südpol entfernt. Das Wetter wurde besser und sie brachten die weitere Reise in hellem Sonnenschein hinter sich. Amundsen erzählte, dass er sich im Wissen um das nahe Ziel wieder wie ein kleiner Junge fühlte. Sie kamen gut voran und erreichten schließlich - nach doppelter Prüfung ihrer Überlegungen - um 15 Uhr am 14. Dezember 1911 den Südpol.

Die Gruppe hisste die Norwegische Flagge und Amundsen benannte die Gegend nach dem norwegischen Regenten „Plateau von König Haakon VII“. Weil sie wussten, dass Scotts Expedition folgen würde, hinterließ Amundsen eine Nachricht an den norwegischen König. Diese sollte Scott zustellen falls Amundsens Gruppe die Rückreise nicht überleben würde. Sie stellten ein kleines Zelt auf, in dem seine drei Begleiter ebenfalls Nachrichten hinterließen, ein Paar Fäustlinge und einen Sextant zur Navigation. Dann machten sie sich auf den Rückweg zur Fram.

"Nie hat ein Mann ein Ziel erreicht, das seinen Wünschen so diametral gegenüber stand. Die Gegend um den Nordpol – beim Teufel – hatte mich seit meiner Kindheit fasziniert und jetzt war ich dort am Südpol. Kann irgendetwas verrückter sein?"

Roald Amundsen

 

DieFram ist im Fram-Museum in Oslo ausgestellt.

Oben: Roald Amundsen, Helmer Hanssen, Sverre Hassel und Oscar Wisting (links nach rechts) bei "Polheim", das Zelt wurde am Südpol am 16. Dezember 1911 aufgestellt. Die obere Flagge ist die norwegische Flagge; auf der unteren steht "Fram".