Knut Hamsun war 31 Jahre alt, als er sich mit seinem literarischen Werk „Hunger“ (norwegisch „sult“) 1890 einen Namen machte. Hunger im buchstäblichen Sinn und Hunger nach gesellschaftlicher Anerkennung und nach Bildung hatten Hamsuns Leben bis zum späten künstlerischen Durchbruch geprägt.
Aufgewachsen ist er als Knud Pedersen und Sohn armer Eltern in Hamarøy in Nordnorwegen. Hier erledigte er bäuerliche Verrichtungen und Schreibarbeiten für die Ladenbuchhandlung seines Onkels; dabei lernte er nicht nur Schreiben und Lesen, sondern wurde mit weltlicher Literatur vertraut. Als junger Mann ging Hamsun verschiedenen Tätigkeiten nach: Er war auf Wanderschaft durch Norwegen, arbeitete als Postbote, Hilfsarbeiter, Schuhmacherlehrling, Lehrer oder schrieb kleine Artikel für Zeitungen. Bei seinem ersten Buch „Der Rätselhafte“ (1877) blieb der Verkaufserfolg aus, und auch seine weiteren literarischen Versuche verkauften sich lediglich in Überraschungspaketen oder zu Schnäppchenpreisen. 1879/80 lebte der Autor in Kristiania, dem heutigen Oslo, wo er extremen Hunger und Armut erlebte. Nach Aufenthalten in den USA und Kopenhagen kehrte er 1888 zurück nach Norwegen und gab den ersten Teil des Romans „Hunger“ (norwegisch „Sult“) in der dänischen Zeitschrift Ny Jord heraus. Nur zwei Jahre später erschien das komplette Werk und bedeutete den Durchbruch Hamsuns als Schriftsteller. Im Folgenden sind bekannte Werke wie beispielweise „Mysterien“, „Pan“ und „Victoria“ erschienen, bei Letzterem handelt es sich um einen seiner größten Liebesromane, den er während seiner Beziehung zu seiner ersten Frau Bergljot Bech schrieb. 1920 bekam Hamsun den Literatur-Nobelpreis für „Segen der Erde“. Hamsun kritisierte den Modernismus, den er für die Wurzel des Unglücks der Menschheit hielt und begab sich Mitte der 30er Jahre in Isolation auf Nørholm bei Grimstad. Er war ein großer Bewunderer Deutschlands und entschiedener Gegner des britischen Imperialismus sowie des Kommunismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hamsun des Landesverrats angeklagt, da er sich öffentlich gegen die norwegische Widerstandsbewegung aussprach und ihm vorgeworfen wurde, Deutschland im Krieg unterstützt zu haben. 1948 wurde er vom Vorwurf der NS-Mitgliedschaft freigesprochen. Am 19. Februar 1952 starb Hamsun auf seinem Gut in Nørholm.
Das Jubiläumsjahr 2009: 150 Jahre Knut Hamsun
Der große norwegische Schriftsteller würde in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiern. Die Norweger begehen dieses Jubiläum mit einem großen Hamsun-Jahr. Das Gedenkjahr soll der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit für den Literatur-Nobelpreisträger Rechnung tragen, Informationen zusammenführen und Wissen über das Werk und Leben des Autors einem breiten Publikum in Erinnerung rufen. Den Mittelpunkt des Hamsun-Jahres bilden vier Veranstaltungen, die bis September in den drei Hamsun-Gemeinden Lom, Hamarøy und Grimstad sowie in Oslo stattfinden. Dabei wird mit jedem der vier Orte ein Werk des Schriftstellers thematisch verknüpft. Offiziell eröffnet wurde das Hamsun-Jahr an seinem Todestag in Oslo. Seine Veröffentlichung „Segen der Erde“ bildet am 1. August den Hintergrund für die Festveranstaltung in Hamsuns Geburtsstadt Lom im Gudbrandsdal. Pünktlich zum 150. Geburtstag wird am 4. August 2009 in Presteid auf der Insel Hamarøy ein großes Dokumentations- und Vermittlungs-Zentrum eröffnet, das der New Yorker Architekt Steven Holl entwarf. Es zeigt Leben und Werk des umstrittenen Literaten, der wegen seiner ideologischen Nähe zum Nationalsozialismus in die Kritik geriet. Das Zentrum wurde auf dem Baugelände in der Nähe der Ruinen jenes Pfarrhofes, auf dem Hamsun einen Teil seiner Kindheit verbrachte, errichtet.
Hurtigruten: auf den Spuren norwegischer Literaten
Freunde von Knut Hamsuns Werk und der skandinavischen Literatur dürfen sich auf eine neue Themenreise im Programm von Hurtigruten freuen: Vom 1. bis zum 15. April und vom 5. bis zum 19. Oktober 2009 wird MS Polarlys im Rahmen der Themenreise „Literatur“ zum Treffpunkt von Literaturliebhabern. Auf der Strecke von Bergen über Kirkenes nach Trondheim erleben die Reisenden auf der Polarlys nordische Literatur an Orten, an denen sie entstanden ist. Die Gäste kommen an den entsprechenden Handlungsschauplätzen vorbei, an denen die fachkundige Lektorin Lesungen hält, die Kenner skandinavischer Literatur in ihren Bann ziehen und neue interessante Details der Werke beleuchten.